Chapter 2 – Schulzeit, Rückkehr, Trauma

Die ersten 2 Jahre auf der Grundschule verliefen Klasse, meine Eltern hatten große Hoffnungen in mich, da ich zu den Klassenbesten gehörte laut der damaligen Klassenleitung. Es war ein wunderschöner heißer Sommer, der mir genauestens in Erinnerung geblieben ist im Jahre 2002. Es kam noch schöner für die ganze Familie; die Rückkehr nach Kosovo stand bevor, natürlich nur über die Sommerferien versteht sich. Die Fahrt dort hin war die reinste Hölle, in einem Golf 3 mit 5 Personen im Wagen ohne Klima, durch die trockene Hitze Ost Europas. Die Nerven lagen blank, über Slowenien-Slowakei-Italien-Berge Albaniens-Montenegro kamen wir endlich in die Geliebte Heimat Kosovo zurück. Für mich war es das erste mal. Die Familie schwärmte über beide Ohren wenn es um Kosovo ging. Meine Erwartungen waren also riesig.

Angekommen, erwarten uns plötzlich ca 70 Familienmitglieder, Onkel; Tanten; Cousins Cousinen, für mich als Bub ein unglaubliches Gefühl zu wissen wie viel Familie ich doch habe. Doch der schönste Moment kam noch. Das Gefühl, unendlicher Liebe, erhielt ich von meinen beiden Opas und Omas die ich zum ersten Mal kennenlernen durfte. Die Emotionen waren förmlich in der Luft zu riechen, es gab ein Riesen Fest direkt bei der Ankunft, diese Höllen Fahrt war wie weggeblasen.

Der nächste morgen stand vor der Tür, und so erkundete ich zusammen mit der Familie unsere Heimatstadt Gjilan. Ich weiß noch wie schockiert ich war, zerfetzte Häuser, Ruinen, Rohbau, kaputte „Straßen“, wenn man das überhaupt so nennen darf. Alle 30 cm ein Schlagloch so tief wie das Meer, ausgefüllt mit etwas Schotter wenn’s wirklich zu tief war, und ansonsten hattest du zu achten wie du fährst damit dein Auto nicht sofort zur Reparatur muss. Ich war fassungslos, meine Augen kannten nur das schöne strukturierte Deutschland, sauber in allen Ecken, Bürokratie und Demokratie stand an der Tagesordnung. Und hier? Fahren Kinder Autos und Motorräder, Müll lag überall auf den Straßen und Straßenhunde soweit das Auge reicht, die Polizei wurde mit 10 Euro bestochen um Angelegenheiten zu klären. Welche Angelegenheit fragst du? – Mein Bruder fuhr ohne Führerschein dort mit 13-14 Jahren, bezahlt wurde der liebe Herr Polizist mit 10€ und wünschte ihm noch eine schöne Fahrt. Nicht umsonst trägt Kosovo den Spitznamen „ärmstes Land Europas“. Wir gehören nicht der EU an, liegen jedoch auf dem Kontinent und bezahlen dort mit Euro seit 2002. Trotzdem liebte ich es hier, es fühlte sich so vertraut an das ich eigentlich gar nicht mehr zurück wollte, meine Eltern wirkten endlich wieder glücklich nach so viel Leid. Doch das Schicksal hatte andere Pläne.

Eines Tages Stande ich mit meinem Opa und meinem Vater vor unserem Hof. Eine Schotter Straße die ca 50 m gerade aus weiter ging, als plötzlich ein roter PKW mit voll Karacho knapp an meinem Opa vorbei zischte, er fiel zu Boden und mein Vater war außer sich und schrie laut los, als plötzlich der Wagen anhielt. Er ließ keine Sekunde vergehen um auf sie zu zu rennen, riss die Fahrer Tür auf und boxte dem Fahrer ohne Vorwarnung direkt ins Gesicht, 1x – 2x – 3x, ich dachte mir um ehrlich zu sein wie cool mein Vater in dem Moment doch sei, als plötzlich die hinter Tür aufging und ein Mann mit einem 16 cm Messer auf ihn einstach. Direkt in den Bauch, ebenfalls nicht einmal, sondern 2x und ließ das Messer stecken. Er fiel zu Boden, doch durch den Schock stand er sofort auf, und rannte die Straße runter an mir vorbei und schrie nach meiner Mutter das sie ihn erstochen haben, meine Brüder rannten schneller als eine Kugel aus der Pistole, um ihn zu stützen und brachten ihn glücklicherweise direkt ins Taxi das unten an der Hauptstraße stand. In Folge dessen kamen meine Onkels mit Äxten und Waffen raus, mit denen es zu Schüssen kam, die Axt hatte ebenfalls noch ihren Job zu erledigen. Die Täter flohen auf die Minute, und hatten Glück das sie einige Meter Vorsprung hatten, einer von ihnen wurde jedoch noch am Arm mit der Axt erwischt.

Im Krankenhaus angekommen, teilte man uns mit das sie unserem Vater nicht mehr helfen können, sie versuchen alles erdenkliche, doch bei 3 L Blut Verlust scheint das überleben eine reine Gottesangelegenheit zu sein, so teilten sie uns mit das er gestorben sei. Hysterie übernahm mein Mutter und so weinten und schreiten wir alle vor uns hin. Als nach 30 Minuten die Schwester zurück kam um uns mitzuteilen das dieser verdammte Kämpfer zurück im Leben sei, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Ein Wechselbad der Gefühle/Emotionen wie meine Familie und ich es zum Glück nie wieder erlebt haben. Dieses eine mal hat völlig gereicht. Fortsetzung folgt!..

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